Wie meine Familie damit umgeht, dass ich Erotikautorin bin:

 

Seitdem ich meine Sexy Snacks veröffentliche, bekomme ich oft eine bestimmte Frage gestellt: 

“Und, Lara, was sagt deine Familie dazu?” 

Hier kommt die Antwort: 

 

Wie geht deine Familie damit um, dass du Erotikautorin bist? 

 Es tut mir dann fast schon ein bisschen leid, die Erwartungen enttäuschen zu müssen. Denn wenn die Frage kommt, schwingt meistens die Vermutung mit, dass ich meine erotischen Texte entweder vor meiner Familie geheimgehalten habe oder aus jeglichen Testamenten gestrichen wurde. Aber meine direkte Art mit Sexualität umzugehen, hat ja ihren Ursprung in meiner Familie. In meiner Kindheit und Jugend gab es nichts, über das ich nicht hätte sprechen dürfen. Positiv ausgedrückt: Ich habe mit meinen weiblichen direkten Verwandten oft auch Unterhaltungen über Wünsche, Bedürfnisse und Probleme im Bett geführt. Es ist bei uns kein Tabu. Ich konnte also recht früh über Sex schreiben, ohne mich damit innerhalb meiner Familie ins Aus zu stellen.
 

Sex ist für mich aber auch im weiteren Rahmen das absolut interessanteste Gesprächsthema. Wenn eine vertrauensvolle Basis besteht, auf der das Öffnen der eigenen Gefühlswelt möglich wird, dann kann es absolut beflügelnd sein, über Erfahrungen zu sprechen. Oftmals erweitert das den Horizont enorm. Ich kann daher nur empfehlen, diesen Schritt mit engen Freunden zu wagen. Wenn ihr euch behutsam an diese Welt herantastet, dann kann es wirklich spannend werden. Dabei ist es nur wichtig, aufmerksam für die eigene Befindlichkeit zu bleiben. Prüfe, was sich gut anfühlen würde zu erzählen. Allerdings handhabe ich das beim Schreiben etwas anders. Ich schreibe, was mir in den Sinn kommt und herauswill. Manchmal ist es zu derb, manchmal zu abgefahren. Dann schleife ich es bei der Überarbeitung so lange, bis es sich richtig anfühlt. Aber hinaus darf es erst mal mit allen Ecken und Kanten. 

Vor der Veröffentlichung gab es eine Gesprächsrunde mit der versammelten Mannschaft. Bevor die Sexy Snacks das Licht der Welt erblicken durften, habe ich bei einem Treffen mit der ganzen Familie einmal erzählt, was ich vorhabe. Ich fragte auch, ob sie ein Pseudonym nutzen würden. Aber die Sexy Snacks gehören zu mir, zu Lara Kalenborn, einen anderen Namen darauf zu schreiben, hätte sich falsch angefühlt. Meine direkten Verwandten waren nun also im Bilde darüber, was in den nächsten Monaten von mir kommen würde und waren cool damit. Wir redeten über Marketingmaßnahmen, über erotische Literautur im Allgemeinen und wie schön es ist, dass es in einem liberalen Land wie Deutschland problemlos möglich ist, Sexy Snacks zu veröffentlichen. Das halte ich für einen großen Segen. Wir dürfen Bedürfnisse haben, wir dürfen Wünsche und Fantasien haben. Das kann uns keiner nehmen. 

Gelesen wurden meine Sexy Snacks von meiner gesamten weiblichen Verwandtschaft. Mittlerweile haben die meisten Frauen meiner Familie eine erotische Geschichte von mir gelesen. Das Feedback war recht unterschiedlich, weil die ein oder andere sich beim Lesen nicht von dem Gedanken lösen konnte, dass ich den Text verfasst habe. Aber sobald sie in den Flow kamen, war die Rückmeldung gut, auch wenn manch einer überrascht von der Intensität der Sexualität und der expliziten Sprache war. 

Was als sexy Experiment begann, kann ich jetzt nicht mehr wegdenken. Ich habe meine erotischen Kurzgeschichten geschrieben, um auszuprobieren, ob ich auf wenig Seiten romantische Gefühle mit erotischer Begierde kombinieren kann. Schaue ich mir die Rezensionen an, dann kann ich das Experiment als geglückt beschreiben. Ich habe unheimlich viel aus dem Schreiben der Snacks gelernt. Über mich als Autorin, aber auch über mich als Mensch. Wagen und gewinnen – Experimente bringen frischen Wind in die Segel und man verlässt den sicheren, aber eben auch limitierenden Hafen. 

Es gab Zeiten, da konnte ich innerhalb von Beziehungen nicht über meine Probleme im Bett sprechen. Während ich von Anfang meines sexuellen Erwachens mit meinen engsten Vertrauten immer über Sex redete, hatte ich in meinen Beziehungen eine Blockade, die verhinderte, dass ich Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken konnte. Um das zu lernen, brauchte ich Jahre. Diese Entwicklung versuche ich auch in meine Protagonistinnen einzupflanzen. Sie lernen im Verlauf der Sexy Snacks viel über sich, dürfen wachsen und sich entwickeln. Sie finden heraus, worin ihre Blockaden begründet sind, sie lernen, zu ihren sexuellen Wünschen zu stehen und eine echte Partnerschaft zu führen. Sie vergeben und begehren. Sie lassen sich von Rückschlägen nicht unterkriegen und verstehen, dass es heilsam sein kann, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. 

 Wie bist du aufgewachsen? 
Ist Sex für dich eine Sache, über die besser geschwiegen wird?